Samstag, 4. Dezember 2010

Monatsbericht November

Monatsbericht November
Ist jetzt schon Advent? Ich habe es hier nicht mitbekommen. Die Trockenzeit ist jetzt ganz da und tags ist es so heiss, dass man selbst beim rumsitzen schwitzt und in der Nacht wieder so kalt, dass man fast eine Decke braeuchte.:)
Im November war einiges los.
Gleich zu Beginn des Monats hatten wir zwei endgueltige Executive Meetings, die die Eintragung als NGO endlich entschieden und am darauf folgenden Tag umgesetzt haben. Die Einnahmen aus dem Verkauf von zwei der drei Kuehe wurden genutzt um die 300 GHC fuer die Eintragung und eine benoetigte Postbox in Kumasi zu bezahlen. Jetzt innerhalb der naechsten Tage wird die Eintragung hoffentlich bald durch sein, sodass wir die Dokumente abhohlen koennen, die wir fuer die Einrichtung des Bankkontos brauchen. Sehr treffend heisen wir jetzt Ashanti Deaf Youth in Action.
Wie schon erwaehnt haben wir zwei der drei Kuehe verkauft. Zusammen haben sie 1100 GHC eingebracht, was mit dem Einkaufspreis von zusammen 1100 GHC auf plus-minus null rauskommt. Das ist auf den ersten Blick nicht wirklich befriedigend, wenn man aber die Umstaende betrachtet schon ein kleiner Erfolg. Eine Kuh war von Anbeginn krank. Ihr Zustand ging auf und ab hat sich im Endeffekt aber konstant verschlechtert, sodass sie am Ende nicht einmal mehr aufstehen konnte und wir froh sein koennen, dass wir noch 400 GHC fuer sie bekommen konnten. Wenn man sieht wo die Kuehe gehalten werden und welche Medikamente vorhanden sind, kann man unserem Cowboy keine Vorwuerfe machen. Die zweite verkaufte Kuh ist ein Erfolg gewesen und konnte den Verlusst aus der ersten ausgleichen. Sie hat 700 GHC eingebracht und damit einen Profit von 130GHC. Die letzte und groeste Kuh, die eigentlich unser Hoffnungstraeger war ist leider immer noch nicht verkauft. Kurz vor Beginn der muslimischen Festivals hat sie sich dummerweise an der Ernte eines Farmers bediehnt und sich dadurch einen Machetenhieb an der Flanke eingefangen. Mit so einer Verletzung bekommt man sie leider nicht verkauft, wodurch wir sie noch behalten muessen und versuchen sie gesund zu pflegen. In Ghana herschend halt keine westlichen industrieartigen Mastverhaeltnisse, mit klinischer 24/7 Ueberwachung, Massagen und Kraftfutter. Bleibt zu hoffen, dass wir die letzte Kuh noch wieder gesund bekommen.
Die Vollversammlung zu Monatsbeginn war dieses Mal von hohen Gaesten beehrt. Der ehemalige Schulleiter der Ashanti School for the Deaf, mit dem wir jetzt in guten Kontakt stehen, ist unsere Einladung gefolgt und hat uns einen Besuch abgestattet. Ausserdem war eine Delegation der hollaendischen Unterstuetzer Organisation SOKPO mit sammt ihres ghanaischen Representanten und engem Freund Osei dort. Von diesen Gaesten befluegelt herrschte eine angenehme Aufbruchsstimmung, die wie es aussieht Iniziativen fuers neue Jahr in die Wege leiten kann. Und mit der perfekten Lobby durch den alten Headmaster und der finanz starken Hilfsorganisation, koennten diese Iniziativen auch Fruechte tragen. Robert und ich waren noch bei einigen Hinterzimmerverhandlungen aus denen sich am Ende die Aussicht auf die Startfinanzierung unseres Buero-Shop-Infozentrums ergeben hat. Ich glaube ich habe SOKPO und ihre Arbeit schon einmal in einem Bericht erwaehnt. Nun haben sie uns damit ueberrascht bei unserem Masterplan einige Abkuerzungen nehmen zu koennen. In den naechsten Wochen werden wir dafuer einen ausfuerlichen Businessplan auf die Beine stellen muessen, was einige schweistreibene Kumasigaenge in Aussicht stellt. Die ersten liegen schon hinter uns. Gleich nach den Verhandlungen mit SOKPO haben wir uns daran gemacht mit Hauseigentuemern zu verhandeln und uns an die zustaendigen Behoerden fuer Unterstuetzung zu wenden. Wir haben Proposals bei der Kumasi Metropolitan Assembly und dem Regional Minister eingereicht, und in einem Meeting mit dem Deputy Minister Ashanti Region wurde uns wenigstens administrative Hilfe zugesagt.
Eine der spannensten Erlebnisse im November war allerdings ein GNADY-workshop, zu dem ich zusammen mit Robert gegangen bin. Der Workshop war organisiert vom Jugendfluegel der Ghana national Assoziation of the Deaf und Delegierte aus jeder der 10 Regionen Ghanas waren eingeladen. Schon die Einladung war fuer uns ein Erfolg, weil nach all den Auseinandersetzungen und Distanzierungen innerhalb unser Region wir trotzdem als Assoziation eingeladen wurden und damit als voll von der GNAD anerkannt. Ausgerichtet wurde der Workshop von den Frontrunners 6. Frontrunners ist ein internationales Jugendprojekt, bei dem gehoerlose Jugendliche aus aller Herren Laender zusammen ueber Leadershipskills weitergebildet werden. Ein 13 koepfiges Team von Gehoerlosen aus Daenemark, Norwegen, Belgien, Deutschland, Oesterreich, Italien und den USA hat Vortraege zu Teamwork, Leadership-skills, Menschenrechten und den gehoerlosen Gremien (World Federation of the Deaf, EUDY, CRPD) gehalten und insgesammt ein sehr spannendes Seminar abgehalten. Ich war der einzig Hoerende und der Motivationsbust vom ersten Association Meeting, anwesend zu sein, wo etwas in Sachen Deaf aus eigener Iniziative passiert, wurde noch einmal um einiges getoppt. Die Vortrags- und Abeitsmethoden haben mich sehr an die Pfadis zuhause erinnert und der ganze Workshop hat mich zurueck in eine Reflexionsebene gebracht die mich meine ganze Arbeit hier ueberdenken lies. Dafuer bin ich einerseits dankbar es hat mich allerdings fuer die letzte Zeit auch ganz schoen aufgewuehlt und Denkstoff gegeben. Allein fuer den Sign Language flash bin ich auf jedenfall dankbar und wer mich mal signen sehen will, bevor ich wieder in Deutschland bin, sollte auf die Frontrunnersseite gehen. Dort ist ein Interview mit mir in GSL zu sehen.
Vom Workshop zurueck, habe ich das Batikprojekt wieder ernsthaft in die Hand genommen. Nachdem ich vom Schulleiter endlich die Erlaubnis bekommen hatte, bin ich mit meinem Mentor nach Kumasi und habe unerhoert viel Material eingekauft. Dank der Unterstuetzung von SOKPO auf mein Proposal im April konnte ich 324Yards Stoffbahnen kaufen und die entsprechende Mengen Wax, Farben und Chemikalien. Momentan ist der Mann aus Cape Coast da, von dem ich im letzten Bericht geschrieben habe und die ersten 5 12-Yard Stuecke sind schon verbatikt. Leider ist die Schuelergruppe mit der ich letztes Schuljahr zusammen gearbeitet habe bei weitem nicht mehr vollstaendig. Zwei (die beiden besten) Schueler sind die neuen Schulprefects geworden und damit in der Schule ziemlich eingebunden, 3 haben gerade ihre Abschlussexamen in Vocationals hinter sich und die Schule verlassen und 3 weitere in JHS 4, muessen wegen der nahenden Examen, fast jede freie Minute zum Lernen nutzen. Eine Primary Schuelerin die gerade jetzt Feuer und Flamme fuer Batik geworden ist, gibt aber wieder Hoffnung und zuletzt waren wir wieder zu acht mit vielen neuen Gesichtern dabei. Ob und wie wir die 300 Yards verarbeitet kriegen ist ungewiss aber ich hoffe, dass sich die neue Gruppe erhaelt und wieder gut zusammenwachsen kann.
Die Arbeit mit dem Cape Coast Kuenstler war zu anfang eher schwierig. Das Batik-Handwerk ist anscheinend wie Kochen: Jeder macht die Suppe anders. Er kann und weis viel aber macht als Lehrer den selben Fehler wie ich, als ich den Workshop angefangen habe und sieht seinen Weg als einzig richtig und alle anderen falsch. Trotzdem haben die Schueler und ich vor allem in den letzten zwei Tagen einiges gelernt und die Zeit in der er da war, war viel zu kurz. Wenn die Muster fuer die Association Fridaywear angenommen sind, wird die Produktion richtig losgehen.
Auch die Stempelproduktion laeuft auf Hochturen. Vielleicht mit ein Grund, warum der Schulleiter mir erlaubt hat mit den Schuelern weiter zu arbeiten, ist wahrscheinlich, dass ich auf einen Deal mit ihm eingegangen bin. Wir fertigen ihm ein Set mit dem Bi-Manuellen Sign Language Alphabet an. 27 Stempel, 56 GHC und der Erfolg, dass die Lehrerin, die mich vor einigen Monaten noch beschimpft hat, zu mir kommt und mich um meine Hilfe bittet aber am wichtigsten, das die Schueler wieder kommen duerfen.
Das Familienleben im November war sehr von Akuas Krankheit beeintraechtigt. Erst ist sie schwanger! –Ich bekomme ein Geschwisterkind- Und damit verbunden im 2.Monat Gesundheitsprobleme. Dann hat sie jetzt einen ziemlichen Gelenkreumaschub in den Knien, der sie kaum laufen laesst. Dadurch ist Adwoa, die jetzt neben der Schule doppelt schufftet, weil sie das Brot fuer die Schule fuer Akua baeckt, noch viel mueder als sonst. Wenn in einer Familie, die auf so kleinem Raum zusammen lebt, einer ausfaellt, war die Stimmung oft angespannt aber mit der Genesung von Akua begradigt ich auch der Hausegen wieder.
Drei Fast Facts zum November:
1. An Essen zu schnuppern, ist in Ghana eine Beleidigung fuer den Koch, weil es zeigt, dass man denkt, dass das Essen schlecht oder vergiftet ist.
2. Telefone sollte man generell von Toiletten fern halten.
3. Wenn man jemandem einen Job gibt und nicht gleich den Preis dafuer aus macht, hat der jenige spaeter das Recht einen unglaublich uebers Ohr zu ziehen.

Mehr im neuen Jahr
Henning

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