Montag, 28. Juni 2010

Batik? Laeuft!

Der erste Durchlauf ist geschafft und wir konnten sogar von den ersten Stoffen schon drei verkaufen.

Wachs wird auf Stoff gestempelt
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Der Stoff dann gefaerbt


Und am Ende das Wachs ausgekocht und gewaschen.

Montag, 31. Mai 2010

Monatsbericht April-Mai

Nun ist wirklich lange nichts neues von mir mehr gekommen. Es tut mir Leid, dass Ihr dieses Mal mehr als nur einen Monat auf einen Bericht warten musstet.
Dass ich nicht geschrieben habe lag daran, dass der April hauptsaechlich vom reisen gepraegt war und ich dachte, dass ich dann lieber im naechsten Monat geballt schreiben kann.
Der April war am Anfang vor allem vom Ende des zweiten Terms eingenommen. Es wurde sich wieder auf Examen vorbereitet und jene dann auch geschrieben. Erfreulicher weise, waren sie dieses Mal wesentlich besser und ich musste nicht die Bewertung auf die Ergebnisse zu schneiden, sondern konnte neutral bewerten und trotzdem ein passables Ergebnis erhalten. Allgemein waren die Examen eine gut tuende Bestetiung, dass das was ich geschafft habe zu unterrichten zu mindest bei einigen Schuelern haengen geblieben ist. Im Endstress mit Korrigieren, Noten eintragen und E-Mails verschicken, bin ich dann noch krank geworden. Den Symbtomen nach zu Folge muss es Migrene gewesen sein, wovon ich bisher noch nicht wusste, dass ich sie haben kann. Ich wusste bisher aber auch noch nicht wirklich in welchem Stress man stecken kann. Nach zwei Tagen exessivem kurrierens war dann aber wieder alles ok und ich konnte meine Augen in ihren Hoehlen wieder wie geschmiert bewegen. Dann ging es in meinen ersten wirklichen Urlaub in Ghana. Geplant war mit zwei Freundinnen die Kuesste abzureisen. Als ich dann auskurriert spaeter zu den beiden dazustiess musste leider Susanne, eine der beiden krank frueher zueruck nach Kumasi fahren. Zeit erst allein in einem Beachresort extrem ab vom Schuss nahe Butre, einem Dorf in einer paradiesischen Bucht, am Hang gelegen, was ich auch nur zu fuss ueber einen ziemlich steilen Berg erreicht habe, da ich sonst eine gigantisch teure Taxifahrt von 15Cedi (7,50Euro) fuehr vielleicht 5 km haette bezahlen muessen. Danach haben wir dann noch 3 Tage in der fuer Freiwillige obligatorischen Green Turtle Lodge Strand, Sonne und unsere Buecher genossen. Ich persoenlich wuerde aber jedem eher unser erstes Resort empfehlen, denn oekotouristisch, alternativ und beruehmt hat seinen Preis. Wir konnten uns nur eine Mahlzeit im von Weisen dicht besiedeltem Green Turtle leisten und mussten uns im naechsten Dorf (hervorragend) selbst verflegen. Im Ghana Spirit nahe Butre allerdings, fuer sich, ruhig und abgeschieden ist es wesentlich angenehmer. Spaeter dann haben auch Marlene und ich uns getrennt und ich habe alleine noch eine Abstecher nach Cape Coast, Mankesim, Elmina und Suroundings gemacht. Zusammen mit Malte, meinem ehemaligen Klassenkameraden konnte ich dort noch ein paar wirklich schoene Tage erleben und ein wenig der ghanaischen Geschichte in den ehemaligen Sklavenburgen studieren. Fast genauso spannend und tragisch wie die Geschichte selbstwar, wie die Ghanaer selbst damit umgehen. (posieren vor jeder Kerkertuer, jedem Grab und an jedem Ort, wo so schreckliches passiert ist)
Von der Kuesste zurueck mit kurzem Aufenthalt daheim, ging es nach zwei Tagen dann schon ganz in den Norden Ghanas und sogar noch weiter nach Burkina Faso. Zu viert haben wir das Projekt Visaverlaengerung in die Tat um gesetzt und sind nach Ouagadugou gereist. Burkina Faso, eines der aermsten Laender der Welt, ist teuer. 0,5 Liter Wasser im Plastikbeutel kostet dort dreimal so viel wie in Ghana (8Cent). Es gibt viel mehr Motorraeder und –roller und auch Eselskarren sieht man hier nicht selten. Leider mussten wir die volle Zeit in der Hauptstadt verbringen, da wir dort auf unsere Visa warteten. Daher ist der Einblick, den wir in das Land bekommen haben, bestimmt eher einseitig. Doch dieser Eimblick war trotzdem sehr schoen und ich wuerde Burkina und die Burkinabes nicht nur mit dem tribut „teuer“ da stehen lassen. Vielmehr ist Burkina, wie ich schnuppern konnte gelassen, freundlich, franzoesisch und vor allem musikalisch. Ich habe nicht nur genossen Baguet mit Butter zu essen, sondern auch mein Franzoesisch aus den hintersten Gehirnwindungen herauszukramen, zu entstauben und im Kontakt mit den Leuten einzusetzen. Zum ersten Mal nach 8 Monaten konnte ich wieder Djembe Felle singen hoeren und singen lassen und auch alle anderen musikalischen Variationen frankophoner Kultur haben auch ziemlich viel flow. Und zu gegebener Masen: in Sachen Musik hat Burkina, Ghana ziemlich in der Tasche.
Auch von der Mentalitaet her mochte ich die Bukinabes, die ich getroffen habe sehr gern leiden. Dort ist die franzoesische Sprache und Kultur ganz anders aufgenommen und vermischt mit der eigenen Kultur als das englische in Ghana. Hoere ich zwei Ghanaer mit einander Englisch sprechen, klingt das in den meisten faellen recht hochgestochen, arrogant und wie ich finde neureich. In Burkina allerdings ist der franzoesische Sprachumgang viel normaler und alltaeglicher. Das mag vielleicht an der schoeneren Sprache liegen aber ich denke auch an der Mentalitaet. In Ghana dem afrikanischen Aufsteiger und Vorreiter wird vor allem von der juengeren Generation vieles ghanaische und eigene als doerflich verschriehen und man darf ja nicht zugeben vom Land zu kommen. Ich war zwar nur eine Woche dort, aber in Burkina wirkte das nicht so. Es ist komisch aber in der Zeit, in der ich in Ghana war habe ich auch Deutschland und meine Kultur oder meine Wurzeln noch mal anders kennen gelernt und verstehe sie nun als Schatz. Burkinabes wirken auch so, als haetten sie einen Schatz nur bei einigen Ghanaern bin ich mir oft nicht so sicher. Doch genug der hochtrabenen Sozialanalysen.
Ein Hoehepunkt jener Reise in den trockenen Norden, war das Treffen mit Regina Faehrmann, was nach vielen Komplikationen wieder erwarten doch noch statt finden konnte. Regina hat in Burkina ein Projekt namens Feuervogel aufgebaut, was aus mehreren einheimischen Theatergruppen besteht, die sich mit den Themen HIV/AIDS und FGM befassen. Sie betreiben Aufklaerungsarbeit in allen auch vor allem laendlichen Gebieten des Landes ueber AIDS und gegen die so fatale Frauenbeschneidung. Doch das beeindruckenste an dem ganzen ist das unglaublich einpraegende Medium des Schattentheaters, was die von Regina aufgebauten Theatergruppen benutzen. Bei einer privaten Liveforstellung konnten wir uns ein Bild machen, was fuer einen Eindruck dieses Low-Budget-Kino auf seine Zuschauer ausueben kann. Mehr spannende Informationen zu Feuervogel solltet Ihr euch hier anschauen: www.feuervogel.org

Also wie gesagt. Ich bin viel gereist diesen Break, doch nicht nur. Seit dem ich zurueck bin Laufen die organisatorischen Dinge fuer das Projekt „Batik“ auf Hochtouren. Seit letzter Woche batiken wir. In einem Endspurt und mit Unterstuetzung von einem Fachmann aus der Senior High School in Agona habe ich alle Materialien besorgt und auch die letzten Werkzeuge, die man noch brauchte sind jetzt da. Sodass sich nun eine Gruppe von 15 SchuelerInnen gebildet hat mit den wir uns gegenseitig dieses tolle Handwerk beibringen wollen. Es ist alles noch in der Entwicklung und sowohl Schueler als auch alle anderen Beteiligten oder auch nur die die alles mit scharfen Augen betrachten muessen sich erst einmal an die neue Situation gewoehnen. Etwas freiwillig zu machen ohne wirklichen Lehrer in seiner normalen Rolle ohne Zwang mit viel Selbstbeteiligung, scheint fuer viele neue und so treten manchmal schwierigkeiten auf, wo man keine erwarten wuerde. Im Grossen und ganzen allerdings freue ich mich, dass es jetzt endlich losgeht und das Projekt nicht nur im Stadium der Traeumerein verweilen muss. Es wird immer handfester und heute und in den letzten Tagen waren wir dabei einen vernuenftigen Arbeitsplatz fuer die AG aufzubauen. Wir bauen einen Unterstand hinter unserem Haus, was schon jetzt, bevor das Dach steht ein Abenteuer ist. Gestern in aller fruehe sind Osei, Frimpopng, zwei Schueler und ich in den Bush gegangen um einen Baum zu faellen, den wir aus kostengruenden genauso illegal gefaellten Balken als Pfosten vorziehen. In der Beziehung wird es also hoffentlich bald viele Bilder und Erfolgsbericht geben.
Ich unterrrichte nun seit einer Woche wieder und noch laeuft alles eher schleppend aber ich hoffe, dass sich das bald aendert.
Meine Zusammenarbeit mit der Ashanti Youth Deaf Association wird hoffentlich bald handfester werden und nicht mehr nur aus Behoerdengaengen und General Meetings Bestehen. Das Batik-Projekt soll auch eine Zusammenarbeit mit der Association sein und spaeter sollen die Verantwortung und alle Mittel zum Drucken in den Besitz der Association uebergehen mit der Hofffnung, dass so besser gesichert ist, das wenn ich nicht mehr hier bin, die fuer die es gemacht ist, die gehoerlosen Schueler weiterhin Zugang zu dem Kurs haben koennen. Ansonsten soll die Association wenn moeglich bei dem Draftturnier mithelfen und auch andere Schulaktivitaeten sollen initiiert werden. Was aus dem geplanten Farmprojekt entstehen wird, laesst sich spaeter berichten.

Mehr zu den Entwicklungen hier
In einem Monat

Donnerstag, 8. April 2010

Monatsbericht Maerz

Dieser Monat ging nun wirklich schnell rum, obwohl das Gefuehl auch daran liegen koennte, dasss ich den letzten Bericht erst vor so kurzem an euch verschickt habe. Dennoch, gerade war noch midterm und jetzt stehen die Examen vor der Tuer und ich musste feststellen, dass ich Vocational 2 in Englisch nur 5 Stunden unterrichtet habe. In einem Term. Da wurde mir das erste mal der Nachteil meines Versuchs Ordnung in Vor- und Nachbereitung zu bringen deutlich: wenn etwas schief laeuft merke ich es auch.
Mit dem Naehern der Examen wird auch die Frustration und Ratlosigkeit ueber meine Lehrfaehigkeiten wieder wach. Mal sehen wie die Schueler dieses Mal meine Fragen bearbeiten koennen.
Sehr bald nach dem ich im letzten Bericht geschrieben hatte, dass sich meine Konzentration mehr auf den Unterricht gerichtet hatte, brach diese scheinbare konzentration schon wieder zusammen und es hat sich wie im letzten Term auch eher wieder auf die schoenen Dinge in meinem Leben und dem der Schueler gerichtet.
Batik ist wieder zum Leben erwacht. Zwar immer noch nicht konkret in sachen stempeln und faerben doch wenigstens der hoelzerne Part des Projekts hat eine Hochfase der Kreativitaet erlebt. Jetzt haben wir weitere neue Muster, Rankpflanzen, Tiere und geometrische Figuren in Stempelform und dieser gruene Ast scheint noch nicht abzubrechen. Heute hat mein hauptschueler komplett allein gearbeitet und 3 Stempel fertig gemacht und es scheint jetzt anzufangen kreise zu ziehen. Der Schnitzer vor der Schule, der mir immer mehr zum Freund geworden ist, hat mich besucht und fragt jetzt, ob ich ihm Laubsaege Arbeiten beibringe koenne. Wenn ich bedenke, dass ich meine erste Laubsaege von meinem damaligen Nachbar einem lieben alten Herren geschenkt bekommen habe, ist es ein lustiges Gefuehl das jetzt weiter zu geben und jemandem damit eventuell deutliche Verbesserungen zum beschaffen seines lebensunterhaltes zu bieten. Vielleicht klingt e saber auch hochtrabener als es ist, bleibt es doch nur das aussaegen von formen, was auch hier in Ghana keine Neuheit ist.
Ganz am Anfang des Maerz gab es ein kulturelles Highlight in Jamasi und scheinbar ganz Ghana. Es war das nationsweite Schueler-maschieren zum Unabhaengigkeitstag. Jenes Paradoxon habe ich glaube ich schon im letzten Bericht erwaehnt. Es war interessant und lustig sogar Kinder die mir bis zum Bauchnabel gingen mit ernster Miene maschieren zu sehen, wenn man den Ersten Zweifel und Ekel erstmal ein wenig abgelegt hatte. Sah man dann den Stolz und Entusiasmus, den auch meine Schueler dabei gezeigt haben, musste man gleichzeitig noch mehr schlucken aber auch alles vergessen und sich sagen (naja andere Laender andere Sitten!?)
Kulturell ging es dann fuer die Schueler mit dem bisher nur einmaligem vollziehen der schon erwaehnten Enjoymentabende. Es war eine grose Gaudi, froehlich, laut und materialistisch wie vieles hier aber danach haben osei und ich sagen koennen: Es war ein Erfolg. Es gab ein Wettessen, Reise nach Jerusalem und das besondere Highlight eine Art Topfschlagen nur mit Schere und an einem Band aufgehaengten Preisen. An der Enttaeuschung derer, die nichts gewonnen haben und den vielen Fragen, wann es das naechste mal so etwas geben wird, aheb ich dann den Erfolg fest gemacht.
Fuer die Tage nach den Examen, stecke ich schon in den Vorbereitungen fuer das Drafttunier, woran ich jetzt die Kuer einer Gamblingqueen anhangen will, da sich beim letzten mal die zu kurz gekommenen Maedchen beschwert hatten. Inhalt dieses Wettbewerbs wird die rasante Ghanaische Variante von Mensch-Aergere-Dich-Nicht sein.
Ansonsten war der Maerz gepraegt von einer eklatanten Veraenderung unserer Wohnsituation. Da der neue Headmaster mit dem Beschluss seine Residenz standes gemaes in ein, der Position entsprechendes, Domizil zu versetzen, unseren besten Freund sammt Familie (Robert, Akua und Adwoa) aus seinem Haus vertrieben hat, hat der Satz: “je ko didi” (wir gehen essen) eine ganz neue Bedeutung bekommen. So ist unser Esszimmer jetzt nicht mehr uebern Hof (welcher als Zentrum unseres kompletten Familienlebens (Osei’s Familie mit eingeschlossen) nun auch wegfallen wird) sondern ueber den ganzen Kampus, aus der Schule raus, ueber die Strase und an der Kirche vorbei den Huegel runter in Roberts neuer Wohnung. Unser eigenes Haus ist nun kein Guesthouse mehr, sondern zum Mehrfamilienhaus geworden. Teilten sich vormals Max, Ich und Osei’s Familie ein Bad, sind nun eine komplette Familie mit drei Kindern und Atta, eine Gehoerlose Naehlehrerin und wirkliche Mama, dazu gestossen. Die Hall ist nun Kueche, Spiel- und Esszimmer und viel wichtiger die Verander, Kueche, Waschkueche, Kinderbad und Lagerraum in einem. Das ist momentan doch eine recht starke Umstellung von einem ehemaligen Ort zum Zurueckziehen und Ruhe finden zu einem Zentrum des Lebens. Umstellungen sind ja nicht immer schlecht und es ist auch viel sinnvoller, dass noch zwei der drei leer stehenden Zimmer genutzt werden, doch stellt sich schon die Frage: Warum wird ein Haus mit drei Wohnpartein zugunsten einer einzigen geraeumt und die Heimatlosen in ein Haus gesteckt wo nun auf kleinerem Raum vier Partein zusammenleben muessen.
Tja man koennte sagen: “Ehre wem Ehre gebuehrt” oder vielleicht treffender : “Platz verteilt, wie es sich gehoert”
Ich schaetze die volle Schlagkraft der Veraenderung werden wir wohl erst mitbekommen, wenn der Headmaster wirklich in das frisch renovierte und neu gestrichene Haus einzieht.
Davon und allem was sonst so passiert mehr in einem Monat.