Dienstag, 2. November 2010

Das dazu gehoerige Fabirc

Ein Stempel

Monatsbericht Oktober

In diesem Monat hat die Schule wieder angefangen und ich bin endgueltig nur noch in der beobachtenden Position. Von allen Seiten wird man gefragt: Du bist nicht mehr in der Schule aber wo denn dann? Es fuehlt sich schon komisch an nichts mehrwirklich machen zu koennen allerdings deuten sich langsam Mittel und Wege an, zu mindest teilweise mitgestalten zu koennen.
Der Schulbeginn hat in vielerlei Hinsicht meinen Alltag beeinflusst. Auch wenn ich nicht mehr selbst Teil vom ganzen bin, ist es doch immernoch maine ganze Familie. Mein Vaterund Boss Robert muss wieder unterrichten, meine Mutter Akua baeckt wieder und ist dehalb kronisch muede und kraenklich und meine Schwester und ehemalige Schuelerin Adwoa muss auch wieder zum Unterricht, nur dass ich sie nicht mehr unterrichte. Ich habe jetzt versucht damit anzufangen, die Zeit in der mein Boss arbeitet auch immer am Schreibtisch oder der Werkbank zu sitzen um etwas zu schaffen und es klappt ganz gut. Das Resultat waren schon einige Briefe, und 21 Stempel, die uns im Verkauf insgesamt 50 Ghanacedis (25Euro) eingebracht haben.
In Sachen NGO-Eintragung gab es im Oktober einiges zu tun. Wir hatten ein Executive Meeting und mit anschliesender Vollversammlung, in der ueber die Vereinssatzung, Namen und Finanzierung beraten und abgestimmt wurde. Da danach aber noch Zweifel und Enderungen aufkamen, haben wir einen gehoerlosen Elder zu Rate gezogen, der schon in einigen Gremien in der Ghanaischen Gehoerlosen Community sass und gut Bescheid weis und neben bei noch nett und interessiert an unseren Aktivitaeten ist. Nach zwei Trefen mit ihm gab es noch ein sehr konstruktives Executive Meeting allerdings haben wir immer noch nicht eine abschliesende Entscheidung Gefasst und die Eintragung wird sich wohl noch bis in den November hinziehen. Mein Ziel ist es nur Bankkonto und Eintragung vor Abflug geschafft zu haben um damit den Grundstein fuer effektive Arbeit zu legen, die auch offiziell anerkannt ist und damit hoffentlich deutlich erleichtert wird.
Das Batik Projekt scheint langsam wieder zum Leben zu erwachen. Wir haben jetzt doch wieder Aussicht auf baldigen Arbeitsbeginn mit der alten Gruppe. Ich habe einigen Leuten auf die Fuese getreten und nun waren Robert und Der Elder Paul beim Schulleiter der Ashanti School for the Deaf um ihn um Erlaubnis zu bitten, den Workshop ausserhalb der Schule mit Schulern weiter fuehren zu duerfen. Nach allem, was bissher mit dem neuen Schulleiter schon so passiert ist, war nicht zu erwarten, dass er aus dem Stehgreif ja sagen wuerde. Ich habe einen Entschuldigungsbrief fuer mein respektloses Benehmen geschrieben, was mir von Paul geraten wurde, um den Schulleiter zu besaenftigen. Ausserdem haben wir ein offizielles Proposal geschrieben und es sieht so aus, als ob wir damit die Schueler wohl zurueck bekommen koennen.
Ausserdem sind wir im Kontakt mit einem Gehoerlosen Batik-Kuenstler aus Cape Coast, der bei Arbeitsaufnahme zu uns kommen wird um mit uns zu arbeiten und mein Freund , der Schnitzer aus Jamasi hat mich mit zwei Batik Kuenstlerinnen bekannt gemacht, mit denen langsam wohl auch eine hoffentlich fruchtbare Wechselwirkung aufbauen kann. Mein Mentor, ein Lehrer aus dem naechsten Ort, hilft mir eine Grosbestellung an Materialien zu machen und damit sind jetzt eigentlich alle Weichen fuer die Grosproduktion gelegt. Bleibt nur zu hoffen, dass Permission granted wird.
Die wohl groeste Neuerung im Oktober ist mein neuer Laptop auf dem ich gerade schreibe. Da ich meine Zeit am Schreibtisch auch in Zukunft sinnvoll nutzen will, moechte ich anfangen an einer Website fuer die Association zu arbeiten und der mitlerweile vielleicht acht jahrige Medion mit 18GB Speicher ist fuer die entsprechenden Programme einfach zu langsam. Bei gutem Wechselkurs und nach ausgibiger Recherche habe ich mir dann jetzt in Kumasi ein schwarzes Dell Geschoss zu gelegt. Es war schon komisch in das klimatisierte Geschaeft mit einem Bazzen Scheine zu laufen und mit einem Laptop im Rucksack wieder raus und dann auf dem Motorroller davon. Aber nicht nur diese Erfahrung sondern auch der neue PC sind denke ich auf jeden Fall eine Breicherung und gute Anlage. Einziger Haken ist die englische Tastertur, die mich alle Umlaute ausschreiben laesst. Muss man halt mit leben.
Das gehoerlose Maedchen, von dem ich im Septemberbericht geschrieben habe, hat jetzt schoon die ersten Unterrichtsstunden ihres Lebens hinter sich gebracht und kann schon bis zehn zaehlen und schreiben. Es ergeben sich lustige Situationen, wenn ich mich mit der Mutter, die selbst nie zur Schule ging, in meinem sehr gerbochenen Twi unterhalte und dann, wo ich an meine Grenzen stosse Robert dazu hole, ihm auf Gebaerdensprache sage, was ich meine und er es dann in Twi fuer die Mutter uebersetzt. Gestern, bei einem Besuch im Dorf musste ich bis zum Abend warten, weil Mutter und Kind zur farm gegangen waren. Es ist irre zu sehen, wie die Mutter mit fuenf Kindern und ohne Mann, die von der Hand in den Mund lebt fuer ihre Tochter sorgt. Bei anderen Familien, die wir mitlerweile besucht haben, hiess es bei dem gehoerlosen Kind sofort, wir haben kein Geld. Helenas Mutter hat auch kein Geld aber sie versucht es. Wenn wir alle Unterstuetzungen von District Assembly und der Ssociation zusammen haebn hoffe ich, dass Helena eine gute Schuelerin wird und irgenwann, spaeter der Mutter unter die Arme greifen kann und damit allen zeigen, was gehoerlose alles koennen und warum gerade sie in die Schule muessen.
Heute bin ich noch in einem anderen Dorf um zwei Familien zu treffen. Ich hoffe, dass bei denen die selbe Iniziative entsteht und die Kinder in die Schule kommen.
Drei Fast Facts zum Oktober:
1. Wer nicht handelt ist selbst schuld, sogar bei Computern im Fachgeschaeft.
2. Casavawurzelsaft(ein Bestandteil des Sagen umwogenen Fufus) auf Schnittwunden gepresst stop die Blutung und wirkt antiseptisch.
3. Frauen, die schon Kinder geboren haben, haben immer ein Tuch um die Huefte als Teil der traditionellen Art sich zu kleiden.
Mehr zum Advent,
Henning