Freitag, 16. Juli 2010

Monatsbericht Juni - Halb Juli

Ich kriege es einfach nicht hin die Monatsberichte rechtzeitig abzuliefern. Ich hoffe, dass ihr mir das nicht zu uebel nehmt. Aber nu ist er da, hura.
Der Juni war verregnet und angenehm kuehl. Wie ich hoere Kontrastprogramm zu Deutschland derzeit. In diesem Fall aber auch gut so.
Der Term, der im letzten Bericht gerade angefangen hatte, ist nun schon wieder vorbei. Eine Woche nach inoffiziellem und illegalem Midtermbreak ist gerade Sportwettkampf im Dorf und Naechste Woche fangen die Examen an. Daher glaube ich, dass dieser Monat nicht nur schnell rum gegangen ist, da am Ende eh die Zeit fliegt sondern, weil man ihn so gutes ging zusammen gestaucht hat. Die kurze Zeit des Unterrichts war akzeptabel. Meine Schuelerschaft habe ich, beziehungsweise haben sich selbst nur noch auf die Vocational 1 Klasse beschrenkt. Bei denen lief der Unterricht dann schleppend aber gut. In Mathe habe ich mich kuriler Weise erst kurz vor Ende meines Dienstes an der Schule auf die Grundfesten der Mathematikk zurueck gezogen und unterrichte Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division grosser Zahlen. Das jedes hoehere Thema kein Sinn macht, wenn die Grundrechenarten noch Probleme machen haette ich mir mal schon frueher einfallen lassen sollen. Ausserdem habe ich nun am Schluss entschieden: ich unterrichte, wozu ihr lust habt: In Mathe waren es die Schueler, die sich zu diesem Thema entschieden haben und in Englisch Unterrichte ich nun in den letzten Stunden eine art Sozialkunde innerhalb der Gehoerlosen Gesellschaft. Was fuer Ghana wichtige Personen wie Andrew Foster(gehoerloser afroamerikanischer Missionar, der die Alphabetisierung der Gehoerlosen nach Ghana gebracht hat) oder News of the Deaf.
Ein grosser Einfluss auf Schul- und Alltagsleben war natuerlich, wie sollte es anders sein die Fussball-WM. Ab Zwoelf Uhr Mittags lag eigentlich ueberall der Unterricht flach und man konnte Lehrer sowie Schueler eher vor Fernsehern finden. Verstaendlich bei dem Event auf Afrikanischem Boden und der Performance die Ghana abgeliefert hat. Es war eigenltich in jedem Gespraech, was man so beluschern konnte von Fusball die Rede. Mein Top WM-Erlebnis @ ASH-Deaf war nach dem ersten Sieg von Ghana, wo wirklich die ganze Dinninghall voll und aus dem Haeuschen war. Es hat an nichts gefehlt. Fahnen, geschminkte Gesichter, Trommelschlag und sogar Rauchbomben haette man mit dem Puder verwechseln koennen, der die ekstatischen Schueler im Jubel umwirbelt hat.
Nichts desto trotz wurde erfreulicher Weise mein Batik-Workshop taeglich von meiner jetzt recht festen Gruppe besucht. Wir haben die Produktion nun richtig ins Rollen gebracht und schon einige Yards verkaufen kommen. Am tollsten ist aber, dass sowoh ich als auch die Schueler immer mehr lernen und eigenverantwortlich ihre Stuecke drucken koennen. Ich muss niemanden mehr zusammen trommeln, ob wir wenn ich anfangen will, sondern wurde taeglich gefragt ob wir denn heute Batiken. Groesste Freude war, das diese Woche es zum ersten Mal ich war der, der gerufen werden musste, da die ganze Gruppe schon geschlossen auf mich gewartet hatte. Die Position der Schulautoritaet ist unveraendert abweisend aber ebenfalls diese Woche war ich dann doch gut genug, vor weisen Besuchern zu zeigen wie tolle Arbeit die Schule doch leistet. Great Success: 6 Yards fuer umgerechnet ca 11 Euro verkauft. Damit 2 Euro ueber Normalpreis.
Was mich aber eigentlich fuer die letzten eineinhalb Monate beschaeftigt hat war die Zusammenarbeit mit der Deaf Association. Von Spenden der Blankeneser und Suelldorfer Kirchengemeinde haben wir 3 Kuehe gekauft. Klingt komisch ist aber so. Eine bleibene Erinnerung mit Ibraham den Markt auszuchecken und Kuhhandel zu betreiben. Die Kuehe sind der Start in grosse Plaene, die wir fuer die Association haben und man kann es die ghanaische Variante einer Geldanlage nennen. Der Plan ist die ausgewachsenen aber duerren Kuehe fuer 3 Monate zu fuettern um sie dann gewinnbringend am Ramadanfest auf dem Muslimischen Markt zu verschaerbeln. Mit dem Gewinn wird dann Land gekauft um eine Farm mit unterschiedlichen Nutzpflanzen zu starten. Der Gewinn, der da dann wiederum rausspringen soll, wird in ein Office gesteckt, der unwahrscheinlich viele Zwecke erfuellen kann, die Ihr euch bestimmt schon denken koennt, uber die ich aber zu einer anderen Zeit berichten werde.
Das wir das Geld allerdings nicht komplett rausgehauen haben, hat uns nun dabei geholfen letzte Materialen zur Vervollstaendigung des Batikworkshops zu kaufen. Doch viel wichtiger als Kuehe, Anlagen oder Batiktoepfe, wir konnten mit nur wenig Geld viel Spass haben. Alle zusammen, haben wir einen AssociationDay @ ASH-Deaf organisiert und durchgefuehrt. Grob 15 Leute kamen mit coolen Association-Shirts und haben zunaechst ein wenig Batik geschnuppert, dann Dame und Menschaergere dich nicht Turniere veranstaltet, zusammen aus eigener Kueche gegessen und am Nachmittag Voleyball und Fussballspiele gestartet. Es war ein schoener Tag wo von Gehoerlosen fuer Gehoerlose mal einiges passiert ist und gros und klein zusammen viel Spass hatten.
Langsam komme ich damit zu dem Punkt, der mich wirklich beschaeftigt hat in der letzten Zeit. Ich will laenger in Ghana bleiben. Und zwar nicht in der Schule, sondern in Zusammenarbeit mit der Association. Ich habe einige Dinge angefangen, wie das Batiken, die Kuehe, was vor allem mit der Association zu tun hatte und generell haben wir viele Traueme und Plaene, von den ich gerne noch helfen moechte einige in die Tat um zu setzen. Auserdem habe ich das Gefuehl, dass ich die Leute erst jetzt richtig kennenlerne und noch einiges nicht verstehe oder weis. Genauso anders herum, merke ich in vielen Situationen, dass auch die Leute mich noch nicht wirklich kennen. Ob ein weiteres halbes Jahr das in egal welche Richtung aendern wird, kann man natuerlich bezweifeln aber ein Versuch ist es sicherlich wehrt.
Es gibt wie immer ein lachendes und ein weinendes Auge und das weinende Auge zusammen mit meinem Bauch vermisst euch und zuhause, Gespraeche, Musik und Umarmungen aber es ist ja auch nicht fuer immer sondern nur ein halbes Jahr, kann ich mir und euch dann nur sagen.
Wer also wie ich das weinende Auge zudrueckt und mir bei Mission HennInGhana 2.0 unter die Arme greifen kann, wuerde mein lachendes Auge noch weiter aufreisen. Bloed, aber Geld spielt halt doch immer eine Rolle. Die Abmachungen waren fuer ein Jahr und ich kann jeden verstehen, der nun sagt, mehr geht nicht. Ihr koennt mir glauben, dass mir jeder bezahlte Euro, der mir zu dem beholfen hat, was ich hier machen und erleben darf, etwas bedeutet. Es waere super, wenn die, die mich weiter unterstuetzen koennen, mir eine Mail schreiben, damit ich weis wie ich noch wo versuchen muss Spenden zu bekommen. Auch ueber eine Mail von jedem anderen, der Lust hat mir zu schreiben, freue ich mich natuerlich. Meine Berichte werde ich weiter schreiben, es sei denn Ihr schreibt mir eine Mail, dass ihr sie nicht mehr bekommen wollt.
An dieser Stelle moechte ich euch fuer die Moeglichkeit danken, die sich mir aus diesen Monatsberichten ergibt. Es ist ein gutes Gefuehl nicht alles fuer sich behalten zu muessen sondern es mitteilen und verarbeiten zu koennen. Zu hoeren und zu wissen, dass sich jemand dafuer interressiert, was ich hier mache, gibt Kraft und Selbstvertrauen, um weiter zu machen. Danke
Euer Henning