Dieser Monat ging nun wirklich schnell rum, obwohl das Gefuehl auch daran liegen koennte, dasss ich den letzten Bericht erst vor so kurzem an euch verschickt habe. Dennoch, gerade war noch midterm und jetzt stehen die Examen vor der Tuer und ich musste feststellen, dass ich Vocational 2 in Englisch nur 5 Stunden unterrichtet habe. In einem Term. Da wurde mir das erste mal der Nachteil meines Versuchs Ordnung in Vor- und Nachbereitung zu bringen deutlich: wenn etwas schief laeuft merke ich es auch.
Mit dem Naehern der Examen wird auch die Frustration und Ratlosigkeit ueber meine Lehrfaehigkeiten wieder wach. Mal sehen wie die Schueler dieses Mal meine Fragen bearbeiten koennen.
Sehr bald nach dem ich im letzten Bericht geschrieben hatte, dass sich meine Konzentration mehr auf den Unterricht gerichtet hatte, brach diese scheinbare konzentration schon wieder zusammen und es hat sich wie im letzten Term auch eher wieder auf die schoenen Dinge in meinem Leben und dem der Schueler gerichtet.
Batik ist wieder zum Leben erwacht. Zwar immer noch nicht konkret in sachen stempeln und faerben doch wenigstens der hoelzerne Part des Projekts hat eine Hochfase der Kreativitaet erlebt. Jetzt haben wir weitere neue Muster, Rankpflanzen, Tiere und geometrische Figuren in Stempelform und dieser gruene Ast scheint noch nicht abzubrechen. Heute hat mein hauptschueler komplett allein gearbeitet und 3 Stempel fertig gemacht und es scheint jetzt anzufangen kreise zu ziehen. Der Schnitzer vor der Schule, der mir immer mehr zum Freund geworden ist, hat mich besucht und fragt jetzt, ob ich ihm Laubsaege Arbeiten beibringe koenne. Wenn ich bedenke, dass ich meine erste Laubsaege von meinem damaligen Nachbar einem lieben alten Herren geschenkt bekommen habe, ist es ein lustiges Gefuehl das jetzt weiter zu geben und jemandem damit eventuell deutliche Verbesserungen zum beschaffen seines lebensunterhaltes zu bieten. Vielleicht klingt e saber auch hochtrabener als es ist, bleibt es doch nur das aussaegen von formen, was auch hier in Ghana keine Neuheit ist.
Ganz am Anfang des Maerz gab es ein kulturelles Highlight in Jamasi und scheinbar ganz Ghana. Es war das nationsweite Schueler-maschieren zum Unabhaengigkeitstag. Jenes Paradoxon habe ich glaube ich schon im letzten Bericht erwaehnt. Es war interessant und lustig sogar Kinder die mir bis zum Bauchnabel gingen mit ernster Miene maschieren zu sehen, wenn man den Ersten Zweifel und Ekel erstmal ein wenig abgelegt hatte. Sah man dann den Stolz und Entusiasmus, den auch meine Schueler dabei gezeigt haben, musste man gleichzeitig noch mehr schlucken aber auch alles vergessen und sich sagen (naja andere Laender andere Sitten!?)
Kulturell ging es dann fuer die Schueler mit dem bisher nur einmaligem vollziehen der schon erwaehnten Enjoymentabende. Es war eine grose Gaudi, froehlich, laut und materialistisch wie vieles hier aber danach haben osei und ich sagen koennen: Es war ein Erfolg. Es gab ein Wettessen, Reise nach Jerusalem und das besondere Highlight eine Art Topfschlagen nur mit Schere und an einem Band aufgehaengten Preisen. An der Enttaeuschung derer, die nichts gewonnen haben und den vielen Fragen, wann es das naechste mal so etwas geben wird, aheb ich dann den Erfolg fest gemacht.
Fuer die Tage nach den Examen, stecke ich schon in den Vorbereitungen fuer das Drafttunier, woran ich jetzt die Kuer einer Gamblingqueen anhangen will, da sich beim letzten mal die zu kurz gekommenen Maedchen beschwert hatten. Inhalt dieses Wettbewerbs wird die rasante Ghanaische Variante von Mensch-Aergere-Dich-Nicht sein.
Ansonsten war der Maerz gepraegt von einer eklatanten Veraenderung unserer Wohnsituation. Da der neue Headmaster mit dem Beschluss seine Residenz standes gemaes in ein, der Position entsprechendes, Domizil zu versetzen, unseren besten Freund sammt Familie (Robert, Akua und Adwoa) aus seinem Haus vertrieben hat, hat der Satz: “je ko didi” (wir gehen essen) eine ganz neue Bedeutung bekommen. So ist unser Esszimmer jetzt nicht mehr uebern Hof (welcher als Zentrum unseres kompletten Familienlebens (Osei’s Familie mit eingeschlossen) nun auch wegfallen wird) sondern ueber den ganzen Kampus, aus der Schule raus, ueber die Strase und an der Kirche vorbei den Huegel runter in Roberts neuer Wohnung. Unser eigenes Haus ist nun kein Guesthouse mehr, sondern zum Mehrfamilienhaus geworden. Teilten sich vormals Max, Ich und Osei’s Familie ein Bad, sind nun eine komplette Familie mit drei Kindern und Atta, eine Gehoerlose Naehlehrerin und wirkliche Mama, dazu gestossen. Die Hall ist nun Kueche, Spiel- und Esszimmer und viel wichtiger die Verander, Kueche, Waschkueche, Kinderbad und Lagerraum in einem. Das ist momentan doch eine recht starke Umstellung von einem ehemaligen Ort zum Zurueckziehen und Ruhe finden zu einem Zentrum des Lebens. Umstellungen sind ja nicht immer schlecht und es ist auch viel sinnvoller, dass noch zwei der drei leer stehenden Zimmer genutzt werden, doch stellt sich schon die Frage: Warum wird ein Haus mit drei Wohnpartein zugunsten einer einzigen geraeumt und die Heimatlosen in ein Haus gesteckt wo nun auf kleinerem Raum vier Partein zusammenleben muessen.
Tja man koennte sagen: “Ehre wem Ehre gebuehrt” oder vielleicht treffender : “Platz verteilt, wie es sich gehoert”
Ich schaetze die volle Schlagkraft der Veraenderung werden wir wohl erst mitbekommen, wenn der Headmaster wirklich in das frisch renovierte und neu gestrichene Haus einzieht.
Davon und allem was sonst so passiert mehr in einem Monat.
Donnerstag, 8. April 2010
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